Hattest du schon mal so kleine, hübsche Kristalle in deinem Weinglas? Wolltest du gerne wissen, ob dein Wein schlecht geworden ist oder ob du ihn ohne Bedenken trinken kannst? Ich habe eine gute Nachricht für dich: Weinstein gehört nicht zu den Weinfehlern und ist völlig harmlos! In meinem Artikel verrate ich dir, was Weinstein genau ist, sowie zwei geniale Methoden, wie du Weinstein loswirst.

Du findest das Thema Weinfehler total spannend? Dann ließ doch auch meinen Artikel zu den drei häufigsten und unerkannten Weinfehlern.

Weinstein was ist das

Weinstein – was ist das?

Einer der Sätze meines Chemie-Professors im Weinbaustudium hallt durch meinen Kopf, wenn ich über Weinstein nachdenke: „Kaliumhydrogentartrat ist das Salz der Weinsäure, meine Damen und Herren. Ihnen vielleicht auch bekannt unter dem Trivialnamen Weinstein“.

Ich bin meinem Chemie-Prof immer noch dankbar, für seine unbeugsame und eintrichternde Art – sonst hätte ich während des Studiums in Chemie wohl genauso kümmerliche Kenntnisse erworben, wie während der Schulzeit. Und so konnte jeder seiner Studenten die Definition des pH-Werts, die Strukturformel von Glucose-Zucker oder auch die Definition von Weinstein aufsagen – sogar im Tiefschlaf.

Weinstein besteht aus schwer löslichen Verbindungen von Weinsäure. Die Weinsäure verbindet sich einerseits mit Kalium und andererseits mit Kalzium.

Weinsäure – eine der beiden wichtigsten Säuren im Wein

Weinsäure macht einen Teil der Säure im Wein aus. Mehr zur Funktion der Säure im Wein findest du ihn meinem Artikel zum Traubenlesezeitpunkt.

Die zwei prominentesten Säuren im Wein sind die Weinsäure und Äpfelsäure. Ja, mit „Ä“ geschrieben – kein Schreibfehler! Die Äpfelsäure schmeckt übrigens saurer als die Weinsäure.

Die Weinsäure reagiert also mit Molekülen, die ebenfalls im Wein enthalten sind. Ein Teil davon wird zu Kristallen und sinkt zu Boden.

Woran erkenne ich einen Wein mit Weinstein?

Weinstein sind kleine Kristalle in der Farbe des Weines. In Rotwein sind diese Kristalle eher rötlich, wohingegen sie in Weißwein tendenziell gelblich-grün schimmern. Bei Flaschen, die im Stehen gelagert wurden, sinken die Kristalle Flaschenboden. Bei liegend gelagerten Flaschen ist der Weinstein eher an der Seite der Flasche zu sehen.

Unfehlbar wirst du den Weinstein erkennen, wenn du ihn schon im Glas hast. Dabei ist vor allem diejenige betroffen, die den letzten Schluck bekommen hat.

Du erkennst ihn an der gries-ähnlichen Struktur, die sich richtige unangenehm und etwas sauer auf der Zunge anfühlt, beziehungsweise schmeckt.

Weinstein was ist das

Warum entsteht Weinstein?

Während der Gärung entsteht Alkohol und Kohlensäure aus dem Zucker der Trauben. Zusätzlich verschiebt sich das Säure-Basen-Gleichgewicht im gärenden Wein. Das bedeutet, dass es plötzlich einen gewissen Überschuss an frei verfügbarer Weinsäure gibt, die dann wieder als kleine Kristalle ausfällt.

In Wein-Gärtanks sind nach dem Leeren immer riesige Placken Weinsäure an den Wänden und auf dem Boden zu finden. Das sieht klasse aus, doch es ist eine zweifelhafte Freude für den Kellermeister, beziehungsweise für denjenigen, der den Tank schrubben muss.

Welcher Wein bekommt Weinstein?

Weinstein fällt am stärksten während der Gärung aus. Während der Lagerung nach der Gärung wird der Wein „weinsteinstabil“, wie man im Fachjargon sagt. Es fällt also irgendwann kein Weinstein mehr aus, wenn ein neues Gleichgewicht im Wein entstanden ist.

Weinstein in sehr jungen Weinen

Die Kristalle entstehen besonders häufig in sehr jung abgefüllten Weinen. Also in Weinen, die schon direkt innerhalb der ersten sechs Monate nach der Weinlese, beziehungsweise Traubenlese in die Weinflaschen gefüllt werden.

Zu diesem Zeitpunkt ist zwar schon der Großteil des Weinsteins ausgefallen, der Wein ist dann aber häufig noch nicht vollkommen weinsteinstabil.

Warum haben manche jüngeren Weine Weinstein und andere nicht?

Wie eben beschrieben, fällt gerade zu Beginn der Lagerung Weinstein aus. Es gibt unterschiedliche Methoden, um einen Wein dennoch weinsteinstabil zu machen.

  1. Zum einen mit Kälte. Der Wein wird bis knapp an den Nullpunkt heruntergekühlt. Dabei fällt die freie Weinsäure aus und der Wein wird stabil.
  2. Die andere Methode zur Weinsteinstabilisierung ist durch den Zusatz von Metaweinsäure, ein Weinbehandlungsmittel, dass umstritten ist. Die Stabilität ist allerdings nur kurzfristig und funktioniert demnach nur, wenn der Wein auch ziemlich bald getrunken wird. Wenn du also einen günstigen Supermarkt- oder Discounterwein länger gelagert hast und dieser Weinstein bekommen hat, dann kann es daran liegen, dass er mit stabilisiert wurde.

Bei der Herstellung von Biowein ist übrigens der Einsatz von Metaweinsäure verboten.

Weinstein in alten, gereiften Weinen

Die anderen Wein, die Weinstein bekommen sind häufig alte, gereifte Weine. Die Weinsteinkristalle und Trubstoffe bilden da ein sogenanntes „Depot“. Deshalb werden die älteren Weine auch oft dekantiert, also ganz vorsichtig in ein Dekantiergefäß gefüllt, damit niemand später das Depot im Glas hat.

Karaffe, Dekantierkaraffe und Dekanter werden oft synonym verwendet (demnächst mehr dazu). Hier ist ein hohes Gefäß gemeint, in das der Wein umgegossen wird, ohne allzu viel Luftsauerstoff aufzunehmen.

Der Weinstein in den alten Weinen entsteht übrigens dadurch, dass bei der Weinlagerung der Reifeprozess nicht zu Ende geht. Im Laufe der Zeit können neue Verbindungen entstehen und dadurch kann Weinstein ausfallen.

Wann kann Weinstein entstehen

Weinsteinkristalle können im Prinzip zu jedem Zeitpunkt der Weinbereitung und Weinlagerung entstehen. Am stärksten fällt Weinstein allerdings während der Gärung aus. Danach im jungen Wein, bis der Wein weinsteinstabil ist. In alten, gereiften Weinen kann sich durch den Reifeprozess das Gleichgewicht nochmals verschieben und wieder Weinstein ausfallen, obwohl der Wein vorher stabil war.

Wie schmeckt Weinstein

Wenn du ein paar Weinsteinkristalle auf die Zunge nimmst, dann merkst du, dass sie leicht säuerlich schmecken. Weinstein ist das Salz der Weinsäure, also Weinsäure, die auskristallisiert ist. Daher der säuerliche Geschmack.

Die Kristalle aus Rotwein sind leicht rötlich, da während der Kristallbildung auch noch rote Farbpartikel miteingeschlossen werden. Diese schmeckt man allerdings nicht heraus.

Weinstein was ist das

Weinstein zum Backen

Im Alltag findet Weinstein vor allem Verwendung zum Backen. Weinsteinbackpulver ist eine beliebte Alternative zu normalem Backpulver. In herkömmlichem Backpulver wird als Säuerungsmittel Phosphat verwendet, das nicht jedem schmeckt oder bekommt. Bei manchen Menschen hinterlässt das normale Backpulver einen bitteren Nachgeschmack.

Beim Weinsteinbackpulver ist das natürliche Säuerungsmittel schon enthalten: Weinsäure. Der Nachgeschmack ist dabei neutral.

Weinstein Backpulver kannst du in Drogerien, Reformhäusern oder online kaufen.

Ist Weinstein ein Weinfehler?

Weinfehler sind Fehler, die den Wein ungenießbar machen, wie beispielsweise Böckser mit dem Geruch nach faulen Eiern oder ein Korkschmecker. Diese Fehler können während der Wein Herstellung oder während der Lagerung entstehen.

Weinstein kann zum selben Zeitpunkt entstehen. Da der Wein aber nicht „schlecht“, trübe oder ungenießbar wird, zählt Weinstein nicht zu den Weinfehlern. Er kann allerdings unangenehm sein, wenn er unerkannt ist und du die Letzte bist, die aus der Flasche eingeschenkt bekommt. Doch der Wein bleibt ansonsten genießbar!

Wie entferne ich Weinstein – die zwei besten Methoden

Was tun also, wenn du Weinstein in der Flasche hast? Es gibt zwei Methoden Weinstein aus dem Glas zu entfernen: eine pragmatische und eine edle Methode. Diese beiden Methoden stelle ich dir auch in meinem Video zum Thema Weinstein vor. Voraussetzung ist allerdings, dass du WEIßT, dass du Weinstein in der Flasche hast. Entweder hast du also ein sehr gutes Auge oder es ist schon die zweite Flasche, die du von dem Wein öffnest.

 

Weinstein entfernen: Die pragmatische Methode

Weinstein besteht aus kleinen Kristallen, die schwerer sind als Wein. Deshalb gibt es eine ganz einfache und unkomplizierte Art, dich vom Weinstein zu befreien. Im Prinzip benutzt du das Gesetz der Schwerkraft.

Beim Ausgießen der letzten beiden Gläser musst du nur gaaaaaanz langsam machen, um den Kristallen Zeit zu geben, noch IN der Flasche abzusinken. Jetzt dran denken, die Flasche nur ein klitzekleines bisschen aufzurichten. Gerade so viel, dass der Wein nicht herausläuft. Dann schenkst du das letzte Glas ein.

Vorteil: einfach, kein extra Equipment

Nachteil: Du musst dran denken. Und zwar am Ende einer ganzen Flasche Wein. Das fällt mir ehrlich gesagt nicht immer leicht.

Weinstein entfernen: Die edle Methode

Die Alternative ist ein wenig edler, nämlich den Wein zu dekantieren. Das bedeutet, dass du den flüssigen Teil des Weines vom festen Teil trennst. Hierzu füllst du den Wein schon vorher komplett in ein hohes, schmales Gefäß um.

Achte dabei darauf, dass du langsam und vorsichtig umgießt und dem Weinstein genügend Zeit gibst, noch in der Flasche herunterzusinken. So bleibt er komplett in der Flasche zurück. Das heißt, wenn du dann die ganze Flasche zusammen mit Freunden trinken möchtest, kannst du einfach die Karaffe auf den Tisch stellen.

Dieses vorsichtige Umgießen ist übrigens etwas anderes als Karaffieren, wofür man eine bauchige Karaffe verwendet, um den Wein zu belüften.

Trotzdem nimmt der Wein beim dekantieren Sauerstoff auf. Das ist eine der Nachteile dieser Methode. Beim langsamen und vorsichtigen umgießen nimmt der Wein zwar nicht so viel Sauerstoff aus der Umgebung auf. Aber trotzdem genug, dass er weniger lange haltbar ist ein Wein, der in einer Flasche aufbewahrt wird.

Du musst also vorher schon wissen, wie viel ihr trinken wollt. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mir fällt das schwer. Denn manchmal ist mir nach einem Glas und ein anderes Mal spontan auch nach mehreren Gläsern Wein zumute.

Vorteil: Du hast mit Weinstein beim Wein genießen nichts am Hut und keiner hat das „Iieh, was ist da in meinem Glas“ Erlebnis.

Nachteil: Du brauchst extra Equipment, also einen Dekanter oder einfach einen hohen, schmalen Krug. Der Wein ist dann allerdings nicht mehr lange haltbar.

Weinstein was ist das

Fazit Weinstein

Weinstein ist Weinsäure, die sich mit Inhaltsstoffen im Wein verbindet und dadurch auskristallisiert.

Er ist etwas nervig, wenn man nicht darauf vorbereitet ist, aber kein Weinfehler. Weinstein tritt oft auf bei Weinen, die noch sehr jung sind, wenn sie abgefüllt sind. Beim Ausgießen des letzten Schlucks aus der Flasche kannst du etwas vorsichtig sein, damit du nicht den „Gries“ ins Glas bekommst.

Hast du Lust, das Thema Wein weiterzuerkunden? In meinem kostenlosen Weingeschmacks-Entdecker Guide lüfte ich die 5 Geheimnisse, die dich zu deinem Weingeschmack führen.

Nochmal die drei wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Weinstein ist auskristallisierte Weinsäure.
  • Weinstein ist harmlos.
  • Du kannst Weine mit Weinstein bedenkenlos trinken.

Weinstein ist kein Indikator für die Qualität eines Weines. Doch unabhängig von der Weinqualität ist es das wichtigste das ein Wein zu dir und deinem Weingeschmack passt. Denn beim Wein genießen stehst DU im Mittelpunkt und nicht der Wein.

 

Erweitere deinen Horizont. Werde WEIN-REVOLUZZERIN!

 

Hattest du schon mal Weinstein im Glas? Was hast du dir gedacht und wie bist du damit umgegangen?
Schreib mir deine Erfahrungen mit Weinstein in den Kommentaren oder schreibe mir eine E-Mail.

 

Weinstein was ist das

4 Kommentare
  1. Frauke
    Frauke sagte:

    Danke für die Info! Ich hab mir zwar immer gedacht – wird schon nix schaden, aber es jetzt zu WISSEN, erhöht den Genuß definitiv.

    liebe Grüße, Frauke

    Antworten
    • Elske Schönhals
      Elske Schönhals sagte:

      Hallo Frauke, das freut mich zu hören! Ja, es ist wirklich nichts Schlimmes. Das Auskristallsieren von Weinstein gibt es übrigens auch bei Federweißer (Neuem Wein), den man im Herbst immer im Supermarkt kaufen kann. Dann ist unten in der Flasche oft Hefe und Weinstein – wie im echten Winzer-Weinkeller.
      Herzliche Grüße, Elske

      Antworten

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