Kennst du diese Situation: Du liebst es, GENUSSVOLL ein Glas Wein zu trinken, doch du fühlst dich verunsichert, wenn Menschen anfangen, wild mit Ausdrücken wie „der Wein korkt“ um sich zu werfen.
Wünschst du dir den UNTERSCHIED ZU KENNEN, ob ein Wein dir einfach nicht schmeckt oder ob er einen Weinfehler hat – ohne gleich Weinexpertin werden zu müssen? Wünschst du dir, ERKENNEN zu können, warum ein Wein „irgendwie komisch“ schmeckt?
Es gibt 3 Weinfehler, die hauptsächlich dafür verantwortlich sind. Einen davon kann man leicht beheben. In meinem Artikel verrate ich dir, wie das geht, welche die Fehler sind und woran du sie erkennst.Weinfehler die 3 haeufigsten

Was ist ein Weinfehler

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen: was ist überhaupt ein Weinfehler? Weinfehler sorgen für einen unangenehmen Geruch, Geschmack oder Aussehen im Wein. Der Wein schmeckt, riecht oder sieht nicht so aus, wie er eigentlich gedacht war.

In meinem Artikel zu gutem Wein gehe ich auf die amtliche Qualitätsweinprüfung ein. Bei dieser Prüfung werden die Weine nach vier Kriterien beurteilt, unter anderem nach ihrem Geruch. Fehlerhafte Weine werden im Rahmen dieser Prüfung abgelehnt.

Es gibt drei Gründe, warum ein Wein mit Weinfehler trotzdem in deinem Glas landen kann:

  1. Es ist kein Qualitätswein und wurde daher nicht geprüft.
  2. Der Prüfer hat den Weinfehler nicht als solchen bewertet.
    Ob ein Prüfer einen Weinfehler als solchen bewertet ist ziemlich subjektiv. Meine Nase reagiert beispielsweise sehr empfindlich auf den Geruch von Pferdeschweiß, auch Brett genannt. Ein Wein mit dieser Note wäre bei mir viel schneller „fehlerhaft“, als beispielsweise bei meinem Liebsten.
  3. Der Weinfehler ist erst NACH der Qualitätsweinprüfung entstanden.

Wann entstehen Weinfehler?

Weinfehler können zu verschiedenen Zeitpunkten entstehen: zum einen während der Weinherstellung und zum anderen nach der Weinherstellung, bei der Lagerung:

  • im großen Edelstahltank oder im großen Holzfass
  • im kleinen Eichenholzfass, das Barrique genannt wird
  • in der Weinflasche

Wie entstehen Weinfehler?

Die gängigsten Weinfehler entstehen grundsätzlich durch zwei verschiedene Ursachen.

Zum einen können sie aufgrund von chemischen Reaktionen entstehen. Dabei reagieren Inhaltsstoffe im Wein oder mit Stoffen, mir denen der Wein in Kontakt ist – wie beispielsweise beim Korkgeschmack.

Die zweite Ursache, durch die Weinfehler entstehen können, ist durch Hefen oder Bakterien. Im Rahmen der Gärung, bei der Weinhefen den Zucker in Alkohol und Kohlensäure umsetzen, entstehen als Nebenprodukt bestimmte Weinaromen. Wenn die Gärung suboptimal verläuft, können die Hefen dabei unangenehme Gerüche produzieren. Auch Bakterien können für Fehlaromen verantwortlich sein. Besonders spitzfindige Menschen sprechen bei dieser zweiten Ursache auch von Weinkrankheiten, was ich persönlich eine Unterscheidung finde, die etwas Einfaches kompliziert macht.

Kann man einen Wein mit Weinfehler überhaupt trinken?

Falls du dich jetzt sorgst, ob du schon mal einen Weinfehler übersehen hast, kann ich dich beruhigen. Einen Wein mit einem Weinfehler kann man bedenkenlos trinken.

Wenn du also mal einen Wein hast, wo du dir nicht sicher bist, dann probiere ihn einfach! Manch ein Weinfehler offenbart sich sogar erst besonders stark beim Unterschlucken, wenn die erwärmten Aromen noch mal in die Nase gewirbelt werden.

Lass dir Zeit, auch diese Aromen wahrzunehmen. Nicht jeder Wein ist durch Fehlaromen gleich ungenießbar. Den Weinfehler Nummer 1 kann man nämlich beheben!

Warum ist ein Weinfehler eigentlich schlimm?

Mir ist wichtig, nochmal zu betonen: Wenn ein Wein dir gut schmeckt, dann gibt es KEIN Problem! Du brauchst auch in Zukunft keine Weinexpertin zu werden um weiterhin Wein trinken zu „dürfen“.

Es geht mir darum, dir eine zusätzliche Möglichkeit aufzuzeigen, warum ein Wein dir gegebenenfalls nicht schmeckt OHNE das gleich diese gesamte Weinkategorie wegfällt.

Stell dir vor, du bist eigentlich Weißweintrinkerin. Jetzt kaufst du dir mal einen Rotwein, beispielsweise einen Spätburgunder Rotwein. Du probierst ihn und er schmeckt dir nicht, weil der Wein einen Weinfehler hat. Er riecht irgendwie leicht nach Pups oder faulen Eiern (welcher Weinfehler das ist, erkläre ich dir gleich im Anschluss!).

Und nun spiele vor deinem inneren Auge zwei Szenarien durch:

Szenario 1: Du erkennst den Weinfehler nicht

Du schnupperst an deinem Wein, rümpfst die Nase und stellst dein Glas leicht angewidert weg. Während sich deine Stirn zweifelnd in Falten legt, versucht dein Gehirn noch fieberhaft den Vergleich zwischen diesem Geruch und dem Duft von Wein herzustellen. Probieren willst du jetzt sowieso nicht mehr. „Nein!“, bricht es aus dir heraus, „Rotwein ist echt nicht mein Ding!“.

Szenario 2: Du weißt, womit du es zu tun hast

Wieder dieselbe Ausgangssituation. Du schwenkst dein Glas und der Geruch von Pups steigt aus dem Glas auf und du rümpfst ebenfalls die Nase. Nur jetzt weißt du, dass dieser Geruch nicht typisch für Rotwein oder eine bestimmte Rebsorte ist. Sofort schwenkst du dein Glas nochmal, um dir sicher zu sein. „Aha, ein Weinfehler!“, denkst du dir, und fragst eventuell deine mit-Wein-Entdeckerinnen um ihre Einschätzung.

Welches Szenario gefällt dir besser? Ich glaube, ich weiß es!

Wenn du also einen Weinfehler als solchen erkennen kannst, bleibt dir der Weg zu manch einem unentdeckten Teil der Weinwelt offen.

Die 3 häufigsten Weinfehler

Kommen wir also zur Praxis: Was sind nun die drei häufigsten Weinfehler und woran kannst du sie erkennen?

Es gibt eine ganze Reihe von Fehlern, die wohlklingende Namen wie Mäuselton, Uhu, Brett und so weiter haben (demnächst mehr dazu). Heute kümmern wir uns jedoch um die drei häufigsten: Böckser, Kork und Brettanomyces/Pferdeschweiß.

Weinfehler #1: der Wein riecht nach faulen Eiern

Weinfehler faule Eier Boeckser

Dieser Weinfehler, in der Fachsprache Böckser genannt, ist der wohl häufigste Weinfehler.

Du erkennst du dadurch, dass der Wein in deinem Glas schon gleich am Anfang nach faulen Eiern riecht. Falls du – ähnlich wie ich – nie wirklich mit faulen Eiern zu tun hattest, dann lass dir sagen: es riecht nach Pups. Doch wie du dir vielleicht denken kannst, wollen die meisten Menschen beim Wein genießen nicht übers Pupsen sprechen, deshalb der Vergleich mit faulen Eiern. Lass uns wetten, dass du diesen unangenehmen Weinfehler jetzt schneller wahrnehmen wirst.

Beim Böckser handelt es sich um eine Schwefel-Verbindung, die während der Lagerung in der Flasche entsteht. Durch den Kontakt mit Sauerstoff verfliegt der Böckser oft. Daher ist der Geruch direkt beim Einschenken oft am stärksten.

Wie du einen Böckser relativ einfach beheben kannst, verrate ich dir gleich.

Weinfehler #2 der Wein korkt / hat Kork

Weinfehler Korken der Wein korkt

Dieser zweite Weinfehler kommt nicht ganz so häufig vor, bleibt aber oft unerkannt.

„Der Wein korkt!“. Bestimmt hast du diesen Ausdruck schon mal gehört. Es scheint bei manchen Geschäftsessen ja schon fast zum guten Ton zu gehören, einen Wein mit dem Kork-Fluch zu belegen.

Du erkennst einen Wein mit Kork daran, dass der Wein nach Korken riecht. Du wirst merken, dass der Wein dir weniger Freude bereitet als sonst. Bei Kork ist es in der Regel nur eine Flasche, die betroffen ist. Hoffentlich hast du noch eine zweite Flasche, denn dann lässt sich das einfach überprüfen!

Der Grund für diesen Weinfehler liegt in der Regel bei der Interaktion zwischen den Weininhaltsstoffen und dem Korken. Es entsteht eine chemische Verbindung, die zum typischen Korkgeruch und Geschmack führt.

So kannst du einen Korkschmecker erkennen

Es gibt zwei Ausprägungen dieses Weinfehlers – so kannst du einen Korkschmecker erkennen:

1. Eindeutiger Korkschmecker: starker Geruch nach Korken

Der Korken selbst riecht direkt nach dem Öffnen sehr erdig und „korkiger“ als einfach ein feuchter Korken. Außerdem riecht der Wein ebenfalls nach Korken. Wenn du den Wein probierst, dann schmeckt er in der Regel ganz gut, wäre da nur nicht dieses aufdringliche Korken-Aroma beim Riechen und dann nochmals beim Runterschlucken.

Einen solchen Wein kannst du übrigens problemlos reklamieren – egal wo du ihn gekauft hast. Das ist eine sehr wertvolle Rückmeldung für das Weingut oder den Laden.

In meinen Artikel To KORK or not to KORK? Die Frage nach Korken oder Drehverschluss beim Wein habe ich beschreiben, wie selbst Wasser Korkgeschmack bekommen kann.

2. Verdeckter Korkschmecker: der Wein wirkt „grau“

Diese Ausprägung des Weinfehlers ist leider wesentlich häufiger und bleibt fatalerweise oft unerkannt. Der Wein wirkt insgesamt farblos und grau. Es erfordert ein wenig Übung einen verdeckten Korkschmecker zu erkennen und in der Regel muss man dafür wissen, wie der Wein eigentlich schmecken SOLLTE.

Die Wein, die „Kork haben“ (so würde ich es ausdrücken), werden immer weniger. Das liegt vor allem daran, dass immer mehr Weingüter auf alternative Verschlüsse, wie beispielsweise Drehverschlüsse, setzen. Ein guter Naturkorken ist teuer und man will auf jeden Fall vermeiden, einen Kunden zu verlieren, der einen Wein mit Korkschmecker nicht als solchen erkennt.

Weinfehler #3 Der Wein riecht nach Pferdeschweiß

Weinfehler die 3 haeufigsten

Der Name dieses Weinfehlers ist Brettanomyces, kurz Brett.

Dieser Weinfehler ist sehr subjektiv. Du erkennst ihn daran, dass der Wein sehr intensiv nach Pferdeschweiß riecht. Wie ich bereits erwähnt habe, haben Menschen unterschiedliche Toleranzgrenzen dafür. Für viele Weinliebhaber gehören zu den „großen Rotweinen“, Aromen nach besagtem Pferdeschweiß, nassem Leder und Co einfach dazu.

Der Weinfehler entsteht durch Brettanomyces Hefen, die sich in Holzfässern befinden können. Daher auch der Name. Sie bilden diesen unangenehmen Geruch während der Lagerung im Holzfass, wobei es sich hier um ein großes Holzfass oder um ein Barrique handeln kann. Im Laufe der Flaschenlagerung verstärken sich diese Aromen oft und können die Oberhand gewinnen. Das ist auch der Grund, warum dieser Weinfehler bei der Qualitätsweinprüfung oft unerkannt bleibt.

Weinfehler beheben: Böckser

Wie gerade schon erwähnt, gibt es einen Weinfehler, den du beheben kannst. Beim Böckser riecht der Wein nach faulen Eiern oder Pupsen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, diesen Weinfehler zu beheben, wobei die erstere deutlich einfacher ist.

Möglichkeit 1: Böckser „wegatmen“

Einen Böckser im Wein kannst du durch viel Luft und etwas Zeit wegbekommen, da ein Böckser durch den Kontakt mit Luftsauerstoff langsam verfliegt. Wenn der Wein ein wenig Zeit zum Atmen hatte, ist der Geruch nach faulen Eiern oft komplett weg.

Weinfehler die 3 haeufigsten

Schenke dir etwas Wein in dein Weinglas und Schwenke es kräftig, damit der Wein etwas mehr Luft bekommt. Wichtig: NICHT Schütteln, sonst sind deine Aromen auch weg.

Falls sich der Geruch nach faulen Eiern hartnäckig hält, kannst du den Wein auch karaffieren. Das bedeutet, dass du den Wein (oder einen Teil davon) in eine Dekantierkaraffe umschüttest und ein wenig stehen lässt.

Möglichkeit 2: Böckser beheben mit Geldstück

Eine weitere Möglichkeit, einen Böckser zu beheben ist mit einer kupferhaltigen Münze. Bis zur Einführung des Euros war das einfach. Denn dafür konnte man eine (saubere) 1-Pfennig Münze in den Wein werfen. Wenn es sich um einen Böckser gehandelt hat, war dieser sofort weg. Das war immer ein super Test. Noch zu meinen Weinbau-Studienzeiten hatte jeder, der in der Weinbranche etwas auf sich gehalten hat, immer ein 1-Pfennig Stück dabei. Leider enthalten die 1-Cent Münzen kein Kupfer mehr. Aber vielleicht hast du ja noch ein paar Kupfer-Pfennige irgendwo?

Fazit zu den drei häufigsten Weinfehlern

Die drei häufigsten Weinfehler, die fatalerweise oft unerkannt bleiben sind der Böckser, wenn ein Wein korkt und der starke Geruch nach Pferdeschweiß.

Mit ein wenig Übung wirst du diese drei Fehler auf jeden Fall erkennen können. Dadurch behältst du die Freude daran, Weinen eine zweite Chance zu geben, falls sie mal „irgendwie komisch“ geschmeckt haben. Mit diesem knackigen Basis-Wissen bist du gut ausgerüstet, um das Abenteuer Weinwelt auch weiterhin genießen zu können.

Lass dich auf keinen Fall verunsichern vom langweiligen Weinschnösel-Getue, denn nur du weißt, was dir wirklich schmeckt. Hold dir meinen kostenlosen Weingeschmacks-Entdecker Guide in dem ich die 5 Geheimnisse lüfte, die dich zu deinem individuellen Geschmack führen.

 

Erweitere deinen Horizont. Werde WEIN-REVOLUZZERIN!

 

Hast du schon mal einen Wein mit einem Weinfehler im Glas gehabt? Was war das Übelste, was du mal in einem Wein gerochen hast?
Erzähle mir davon in den Kommentaren oder schreibe mir eine E-Mail.

 

Titelbild: Julian Hochgesang/Unsplash

3 Kommentare
  1. Birgit
    Birgit sagte:

    Hallo Elske,
    das ist ja toll, dass Du wieder blogs schreibst!
    Ich habe von eimem Freund viele „alte“ Weine geerbt ( sie gehen zurück bis 1986), da er aus Deutschalnd weg zieht. Puuh, nur wenige Weissweine schmecken noch, Rotweine schon eher. Oft schmecken die Rotweine nur noch nach Alkohol, haben kein Aroma mehr. Die Weissweine haben sich z.T. rötlich verfärbt, haben auch ihre Aromen verloren und manchmal schmecken sie einfach fies. Was ist fies? Das kann ich jetzt schon gar nicht mehr beschreiben…Beim nächsten „fiesen“ Wein, schmecke ich noch einmal nach….Aber dies sind ja auch keine echten Weinfehler, die Wein sind einfach zu alt.
    Dankeschön für Deinen guten Blog! Liebe Grüße, Birgit

    Antworten
    • Elske Schönhals
      Elske Schönhals sagte:

      Liebe Birgit, wow… das ist bestimmt interessant, sich da durchzuprobieren! Im Weinbau-Studium mussten wir ziemlich lange „fiese“ Weine probieren, bevor wir die guten Weine ins Glas bekommen haben. Gutes Training für deinen Weingeschmack, würde ich sagen 🙂
      Es ist eine wirkliche Kunst, einen Wein auf sein Lagerpotential hin auszuwählen. Um lagerfähig zu sein, muss er auch eine richtig gute Qualität haben – am besten Spätlese- oder Auslesequalität (mehr zu Qualitätsstufen findest du in diesem Artikel). Und die richtige Lagerung ist bei einer solch langen Lagerzeit ebenfalls ein wichtiger Faktor in dem Ganzen. Also am besten kühl, dunkel, eher trocken, gleichbleibende Temperatur.
      Viel Freude aber weiterhin beim Endecken – vielleicht ist ja eine „Perle“ dazwischen, Elske

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