Es ist ein wunderschöner, lauer Frühsommerabend. Du bist mit ein paar Freunden im Park. Gerade ist es etwas abgekühlt, aber genau so, dass es dich nicht fröstelt. Der Grill kokelt noch vor sich hin und es wird nach deinem Gefühl Zeit, sich der – hoffentlich köstlichen – Flasche Rotwein, die noch auf der Picknick-Decke liegt, zu widmen.
Du kramst den Flaschenöffner hervor, öffnest den Wein (er hat einen Korken, keinen Drehverschluss) und schenkst ihn ein. Noch duftet er verhalten – er muss sich wohl noch etwas entfalten. Ein paar Minuten später verströmt der Wein herrliches Aroma. Du nimmst einen leichten Vanilleduft wahr. Etwas verwundert fragst du in die Runde, ob noch jemand das riecht. „Ja klar! Der ist doch im Barrique ausgebaut.“  Wie bitte, WAS? Moment, jetzt noch mal ganz von vorne… Weinausbau im Barrique?

Weinausbau-im-Barrique

Was kann man sich dabei denn konkret vorstellen?

Man nehme einen Wein und BAUE ihn AUS. Das Ganze dann bitte auch noch in einem BARRIQUE? Dein Gegenüber informiert dich, dass es sich dabei um ein kleines Holzfass handelt.

Ach so. In einem HOLZFASS… und dieses sollte dann auch noch möglichst KLEIN sein.

Neeee, KLAAAAAR!

Jetzt mal der Reihe nach.

Was ist Weinausbau und wie läuft das ab?

Dir ist inzwischen klar, dass es hier nicht um das AUS-BAUEN im wörtlichen Sinn handelt. Mit dem Ausbau ist die Weinbereitung im Keller gemeint. Und die beginnt nach der Gärung.

Du fragst dich vielleicht: „Was kann man da überhaupt noch machen? Dann ist doch schon alles passiert?“

Genau, die Hauptsache ist schon geschafft – der Wein ist ein Wein. Allerdings noch ein ziemlich junger! Jetzt kommt der Feinschliff.

Damit meine ich beispielsweise den (Achtung, wieder ein Wort, das für Fragezeichen sorgt) Abstich, bei dem der Jungwein von der Hefe aus der Gärung getrennt wird, die Entsäuerung, die Filtration oder eben auch die Lagerung im Holz- bzw. Barriquefass.

Was ist der Unterschied zwischen einem Holzfass und einem Barrique?

Ich sag’s mal so: Ein Barrique ist immer ein Holzfass, ein Holzfass aber nicht zwingend ein Barrique.

Weinausbau im Holzfass

Ein Holzfass ist ein großes Weinfass aus Eichenholz. Die Fässer haben ein Volumen ab 600 L und größer. Es wird traditionell in der deutschen Weinbereitung verwendet.

Die Fässer werden nach der Herstellung und vor der Erstbefüllung mit Wein so lange gewässert, bis sie absolut geschmacksneutral sind und keine Holznoten mehr abgeben. Das heißt, sie werden „weingrün“ gemacht (Frag nicht, wer sich DIESES Wort ausgedacht hat…).

Das Holz des Fasses ist leicht luftdurchlässig. Dadurch kann Sauerstoff in den Wein diffundieren. Durch den Sauerstoffeintrag reift der Wein, nimmt allerdings keine Holzaromen an.

Weinausbau im Barrique

Ein Barrique Fass wird ebenfalls aus Eichenholz hergestellt. Allerdings ist es ein kleines Fass mit 225 L Volumen. Bei der Fass-Herstellung wird das Holz leicht, medium oder stark „getoastet“. Dazu wird der Fasskörper aufrecht hingestellt und im Inneren ein Feuer gemacht.

Beim Toasten entstehen im Holz neue, aromatische Verbindungen. Die Aromastoffe erinnern beispielsweise an Vanille, Schokolade, an „rauchig“ und an andere Röstaromen. Je stärker die Toastung, desto intensiver die Aromen. Im Gegensatz zum Holzfass wird das Barrique dann logischerweise vor der ersten Verwendung geschmacklich nicht neutralisiert 😉

Beim Weinausbau im Barrique werden die kleinen Eichenholzfässer in der Regel nur zwei- bis dreimal belegt. Danach sind die Aromen aus dem Holz gelöst und es wird höchstens noch als Lagerfass eingesetzt.

Die Weine sind dem entsprechend auch teurer als andere Weine. Das liegt zum einen am hochwertigeren Traubenmaterial, dem größeren Arbeitsaufwand, aber auch vor allem am Preis für ein Barrique. Das kostet zwischen 500 € und 1000 € (jeweils für 225 L!).

„Wow!“, denkst du dir jetzt wahrscheinlich, „das muss ja einen ziemlich großen Nutzen haben, dass sich das lohnt!“

Was bringt es dem Wein, dass er im Barrique ausgebaut wird?

Durch den Weinausbau im Barrique (BLOGLINK Rotwein im Barrique) löst der Alkohol im Wein die Aromastoffe aus dem Holz. Allerdings hat der Ausbau weit mehr „Begleiterscheinungen“ als die Holzaromen. Zusätzlich dringt Sauerstoff durch das Holz in den Wein. Durch die Lagerung auf der „Feinhefe“ entsteht ein volleres „Mundgefühl“. Insgesamt reift der Wein und bekommt eine neue geschmackliche Komplexität.

Es ist unmöglich, einen schlechten Wein durch eine Lagerung im Barrique zu verbessern. Ein guter Wein kann von dieser Art des Ausbaus absolut profitieren, indem er sich in all seinem Facettenreichtum zeigen kann.

Und das bringt es DIR: einen herrlichen Wein! Mit Spiel, Spannung, Spaß und (manchmal ein wenig) Schokolade.

Weinausbau-im-Barrique

Gibt es denn auch Alternativen zum Weinausbau im Barrique?

Hmm… das ist ja schön und gut. Kriegt man diesen „Barriquefass-Geschmack“ nicht auch irgendwie anders hin?

Seit 2006 dürfen Winzer Eichenholz-Chips einsetzten, um ihre Weine zu behandeln. Hiermit können sie ein Barrique-ähnliches Aroma im Wein erzielen. Wie schon oben beschrieben hat der Ausbau im Barrique allerdings weit mehr „Begleiterscheinungen“ als die reinen Holzaromen, wie zum Beispiel die der Reife durch den Sauerstoff.
Da das beste Holz für die Barrique-Produktion eingesetzt wird, ist die Holzqualität der Chips leider nicht immer gleich gut wie die der Fässer.

Eichenholz-Chips sind in Deutschland nur für Qualitätswein und nicht für „Prädikatsweine“ (also: Kabinett, Spätlese, Auslese etc.) zugelassen.

Woran erkenne ich, ob der Wein im Barrique ausgebaut wurde?

Im Zweifel am Weinetikett! Wenn folgendes darauf steht, war der Wein im Barrique:

  • „im Barrique gegoren“
  • „im Barrique ausgebaut“ oder
  • „im Barrique gereift“

Und natürlich am Geschmack… Falls du dir nicht sicher bist, dann frag doch einfach den Winzer deines Vertrauens. Mancher Winzer entscheidet sich dafür, den Barrique-Ausbau nicht auf dem Etikett zu erwähnen, sondern den Wein für sich selbst sprechen zu lassen.

Ich habe manchmal das Gefühl, als würde ich beim Wein trinken in ein Holzbrett beißen!

Wenn das so ist, dann hat der Winzer es wohl etwas zu gut gemeint mit dem Barrique. Allerdings fällt mir das seltener bei Barrique-Weinen und öfter bei „Neue-Welt-Weinen“ aus dem Supermarkt auf. Manche dieser Weine werden vom Holz (leider!) geradezu überfrachtet. Ein Schluck davon und man schmeckt nur noch Vanille. Brrr… mir schmeckt das gar nicht, denn dann hat das typische Rebsortenaroma null Chance… Wenn dann noch draufsteht „oaked“ (ge-Eicht), dann lasse ich lieber die Finger davon.

Wie alles beim Wein ist aber auch das: Geschmackssache!

Fazit zum Weinausbau im Barrique

So, jetzt weißt du also was der beflügelte „Winzerlatein“-Ausdruck „Der Wein ist im Barrique ausgebaut“ bedeutet. Kein Mysterium – alles ganz solide Handwerkskunst!

  • Weinausbau passiert im Zeitraum zwischen der Gärung und dem Abfüllen
  • Es gibt Weine, die im traditionellen Holzfass, welches geschmacksneutral ist, ausgebaut werden
  • Im Gegensatz dazu gibt es den Barrique-Ausbau, der den Wein in Komplexität, Reife und Geschmack verändert
  • Holz ist nicht gleich Fass: auch Eichenholz-Chips können Barriquefass-ähnliche Aromen erzeugen
  • Wenn auf dem Weinetikett „im Barrique ausgebaut“ steht, dann war er da auch drin

Und nun: Adieu Theorie und ran an die Gläser… Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken!

 

Hast du dich schon in die Welt der Barrique-Weine vorgewagt?
Was sind deine Erfahrungen damit?
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  1. […] der wunderbar harmonisch ist im Geschmack und auch eine Zeitlang im kleinen Eichenholzfass, dem Barriquefass gereift ist. Super für experimentierfreudige Anfänger. Ich bin mir fast sicher, dass Hanneke in […]

  2. […] – Komplexität Wie ist das Zusammenspiel der Aromen, von Holznoten aus dem Barriquefass, Alkoholgehalt und so weiter. Komplexität kann ich am besten mit einem Auto, das den Berg […]

  3. […] ist Zeit für die Reifung. Je nach Weinart lagern die Weine nun in den Weintanks oder im Barriquefass. Andere starten eine zweite Art von Gärung, die Milchsäuregärung, bei der die sauer schmeckende […]

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