Was unterscheidet Biowein von anderen Weinen? Was steckt eigentlich genau dahinter? Was IST eigentlich Biowein, beziehungweise Ökowein? Wer könnte diese Fragen besser beantworten als diejenigen, die diesen Wein herstellen? Ich mich auf den Weg gemacht und vier Ökowein Winzer für dich befragt.

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Axel Seck und Hanneke Schönhals aus Rheinhessen, sowie Christian Scholtes und Thorsten Melsheimer von der Mosel haben meine Fragen beantwortet.

1. Stelle dich doch bitte kurz vor: Wer bist du und was hast du mit Ökowein zu tun?

Axel Seck: Mein Name ist Axel Seck. Ich betreibe das Weingut Seck in Dolgesheim in Rheinhessen und produziere seit über zehn Jahren Ökowein – mit viel Spaß. Ich bin Winzermeister. Wir haben einen Familienbetrieb und arbeiten fleißig daran, Ökowein zu produzieren.

Christian Scholtes: Ich bin Christian Scholtes vom Weingut Scholtes aus Minheim an der Mosel. Wir haben ein ökologisches Weingut. In das Weingut und in den Ökoweinbau bin ich hineingeboren worden. Mein Vater betreibt schon längere Jahre Ökoweinbau und seit anderthalb Jahren bin ich fest ins Weingut mit eingestiegen. Jetzt führe ich die Ökowein-Tradition fort.

Thorsten Melsheimer: Ich bin Thorsten Melsheimer, komme von der Mosel und mache seit 22 Jahren Ökowein in der Steillage. Mein Fokus liegt auf Riesling-Weinen und ich setze inzwischen konsequent auf natürliche Prozesse. Es liegt mir sehr am Herzen, möglichst wenig in den Wein-Entstehungsprozess hineinzugeben.

Hanneke Schönhals: Ich bin Hanneke Schönhals und ich mache Ökowein. Ich bin Winzerin.

2. Was sind für dich die drei wichtigsten Unterschiede zwischen Ökowein und herkömmlichem Wein?

Axel Seck: Die drei wichtigsten Unterschiede liegen draußen im Weinberg: Der völlige Verzicht auf Herbizide, der Verzicht auf spezielle Behandlungsmittel, die zum Beispiel aus Plastik hergestellt sind, und generell der Wille, etwas nachhaltig und ohne Chemie zu produzieren.

Christian Scholtes: So aus dem Stegreif heraus würde ich die Besinnung auf die Handwerkskunst nennen und zwar einfach der Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger oder Pestizide. Dann das Arbeiten MIT der Natur und nicht gegen die Natur, das heißt auch das Beobachten der Pflanzen. Was macht die Rebe? Das ist auch die Grundlage jedes guten Weines: Wenn es der Rebe gut geht, dann können wir auch einen guten Wein aus den Trauben erzeugen. Der dritte Punkt – und das verbindet in meinen Augen alle Ökoweingüter – ist die Liebe zur Natur, der Spaß daran, in und mit der Natur zu arbeiten.

Thorsten Melsheimer: Der wichtigste Unterschied – das ist der Grundsatz – ist, dass wir auf die Synthetics (Anmerkung: chemisch-synthetisch hergestellte Pflanzenschutz- und Düngemittel) verzichten. In dem Moment, in dem wir mit Synthetics in der Landwirtschaft arbeiten, bewegen wir uns in Bereichen, in denen wir nicht genau wissen, was wir tun. Wir brauchen im Ökoweinbau ja auch Gifte, mit denen wir die Pilze im Griff halten. Das sind aber immer Stoffe aus der Natur, bei denen jegliche Wirksamkeit in der Natur abgesichert ist. Das läuft nicht irgendwie in den „grauen Raum“ rein. Das ist das Allumfassende.

In den Steillagen an der Mosel wird immer noch sehr viel Glyphosat eingesetzt (Anmerkung: ein umstrittenes Mittel zur Unkraut-Bekämpfung, die sonst komplette Handarbeit ist). Im Steilhang ist es ein großer Schritt, darauf zu verzichten. Wenn man das aber, wie ich, schon über 20 Jahre lang macht, dann sieht man, wieviel schöner die Landschaft wird. Das ist wirklich Wahnsinn, was sich da an Biodiversität entwickelt hat.

Hanneke Schönhals: Die wichtigsten Unterschiede fangen für mich eigentlich schon im Anbau, das heißt im Weinberg, an. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass wir mit einem stabilen Ökosystem arbeiten. Dafür verzichten wir auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und wasserlöslichen Mineraldünger. Stattdessen arbeiten wir mit Begrünung und Humus-Aufbau. Außerdem experimentieren viel mit neuen Rebsorten, die gegen Pilzkrankheiten resistent sind.

3. Warum machst du Ökowein und keinen konventionellen Wein?

Axel Seck: Weil ich davon überzeugt bin! Die Umstellung auf ökologischen Weinbau war noch das Tüpfelchen auf dem „i“, um die Qualität zu verbessern. Wir leben zu Hause von ökologischen Lebensmitteln und wollen das Ganze nach vorne bringen.

Christian Scholtes: Ich mache Öko aus Überzeugung. Zum einen bin ich damit aufgewachsen – wie gesagt: meine Eltern machen das schon länger. Zum anderen will ich nicht nur den Wein für heute produzieren, sondern auch an morgen denken. Ich will, dass meine Kinder oder meine Kindeskinder irgendwann auch noch Weinbau betreiben können. Und zwar mit der Natur, die wir haben. Ein großes Thema ist da die Rückstands-Problematik oder die Ausbeutung der Natur. Mit Ökoweinbau leisten wir unseren Beitrag, um das zu verhindern.

Thorsten Melsheimer: Ich bin aus den 80ern. In den 80ern ist man mit dem Gedankengut groß geworden, dass Öko gut ist. Man war überzeugter „Öko“ als 18jähriger in den 80ern – natürlich! Aber ohne Wissen. Das war einfach nur klar, dass man Öko ist. Anfang der 90er Jahre habe ich dann Weinbau studiert. Es war, unter anderem, eine politische Entscheidung, Ökowinzer zu werden. Ich fand das cool und ich bin dabei geblieben!

Hanneke Schönhals: Mir ist es tatsächlich in die Wiege gelegt worden. Für mich ist Öko normal, weil es einfach sehr logisch ist und in-sich-stimmig. Ich bin der Überzeugung, dass es sinnvoll ist MIT der Erde zu arbeiten und sie nicht auszubeuten.

Fazit Ökowein Winzer

Eines fällt auf: Für alle vier Ökowein Winzer ist die Hinwendung zur Natur bzw. zur Erde entscheidend. Das beginnt mit dem Willen, nachhaltig zu handeln. Zusammenfassend kann man sagen:

Die stärksten und wichtigsten Unterschiede zwischen Ökowein und herkömmlichem Wein sind nicht in der Weinherstellung, sondern schon vorher – nämlich im Weinberg – zu finden. Jeder der vier Winzer ist einen ganz eigenen Weg zum ökologischen Weinbau gegangen. Da hätte ich noch viel länger drüber sprechen können!

Wer Ökowein Winzer ist, ist auch überzeugt von dem ökologischen und nachhaltigen Gedanken, der dahinter steht.

 

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