Was ist eigentlich Naturwein? Das Wort legt nahe, dass es ein Wein ist, der die pure Natur in sich trägt – genau wie man es im Prinzip auch von Bioweinen erwartet. Was unterscheidet Naturwein und Biowein? Oder ist das nur ein Synonym?

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Naturweine sind groß im Kommen und ein starker Trend in der Weinszene. Doch nicht nur dort wird Naturwein getrunken. Es gibt inzwischen Weinmessen, auf denen nur Naturweine ausgeschenkt werden und Weinbars, die ausschließlich Naturwein auf der Karte haben. Naturwein – auch bekannt als Natural Wine, Raw Wine oder Vin Naturel – hat schon längst einen festen Platz in der Weinwelt erobert und ist auf dem Weg in die Mitte der Weintrinker-Gesellschaft.

Naturweine ziehen nicht nur die typischen Weinliebhaber an, sondern eröffnen auch vielen Menschen, die den Geschmack von Wein bisher nicht mochten, eine ganz neue Welt. Außerdem sind sie durch ihre besondere Herstellungsweise auch für Menschen, die den Schwefel im Wein nicht vertragen, interessant.

Was ist Naturwein?

Naturwein ist im Prinzip Wein in seiner ursprünglichsten Form. Es ist Wein, der so naturbelassen wie möglich ist, unfiltriert und ohne den üblichen Oxidationsschutz durch Sulfite, das heißt Schwefel im Wein.

Dadurch, dass sie zum einen ungeschwefelt sind und zum anderen unfiltriert bleiben, schmecken sie anders als herkömmlich hergestellte Weine. Sie haben einen Charakter, der dem von vergorenem Traubenmost entspricht. Allerdings dann ohne die Restsüße, die in Federweißer meist noch vorhanden ist.

Durch die Filtration in der Weinherstellung werden die feinen Teilchen aus dem Wein geholt. Dadurch wird auch die Feinhefe entfernt.

In Frankreich gibt es allerdings ein Verfahren, bei dem die Feinhefe im Wein über viele Monate immer wieder aufgerührt wird und sich dadurch langsam auflöst. Das heißt „sur lie“ Verfahren – das „auf der Hefe“ Verfahren. Die Weine schmecken dadurch sehr vollmundig. Ähnlich ist es bei den Naturweinen. Sie schmecken vollmundiger als manch ein herkömmlicher Wein.

In der Regel sind Naturweine Weißweine. Das kommt daher, dass Rotwein sowieso oft nur in sehr geringem Maße geschwefelt wird.

Falls du Lust hast, mal über den Tellerrand zu schauen, dann ist Naturwein die ideale Art von Wein dafür.

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Was wird bei der Naturwein-Herstellung anders gemacht?

Naturwein definiert sich ziemlich darüber, was alles nicht gemacht wird, also welche Schritte weggelassen werden.
Es ist ähnlich, wie ich in meinem Artikel über Veganen Wein geschrieben habe: es werden Dinge weg gelassen und dadurch entsteht Naturwein. In der Regel ist dieser Naturwein auch vegan.
Die Trauben werden von Hand gelesen. Dabei wird der Zeitpunkt der Traubenlese vor allem durch die Gesundheit der Trauben bestimmt wird. Aber auch die Traubenreife spielt natürlich eine große Rolle.

Bei der Weiterverarbeitung der Trauben wird darauf geachtet, dass das Lesegut so schonend wie möglich behandelt wird. Denn beim Transport und beim Pressen der Trauben können winzig kleine Trubstoffe aus dem Fruchtfleisch herausgelöst werden. Diese sind mit Verantwortlich für bitteren Geschmack im Wein.

Im Prozess der herkömmlichen Weinherstellung können im Traubenmost oder Wein sogenannte Schönungsmittel eingesetzt werden. Diese binden die Trubstoffe und andere Schwebeteilchen und klären ihn.

Auf Schönung wird bei der Naturwein Herstellung ebenso verzichtet, wie auf den Zusatz von Weinhefe, um die Gärung in Gang zu bringen. Den natürlich vorkommenden Hefen wird das Feld überlassen, was in der Weinfachsprache „Spontanvergärung“ heißt. Das Risiko hier ist, dass die natürlichen Hefen zu schwach sein könnten, um den gesamten Zucker in Alkohol umzusetzen oder auch unangenehme Aromen („Fehltöne“) bilden.

Nach der Gärung sinken die Hefen auf den Boden des Gärtanks und der Wein oberhalb der Hefen wird abgepumpt. In der Regel wird der Wein dann filtriert und mit dem Einsatz von Sulfiten vor Oxidation geschützt.

Bei der Herstellung von Naturwein wird auf Filtration komplett verzichtet. Naturweine werden normalerweise nicht oder nur ins äußerst geringem Maße geschwefelt. Durch die verbleibende Feinhefe behält der Wein seinen natürlichen Oxidationsschutz.

Was unterscheidet Naturwein und Biowein?

Naturwein enthält jede Menge „Natur“, beziehungsweise Naturbelassenheit. Ist es dann automatisch ein Biowein? Die Antwort so kurz wie einfach: Nein.

Welcher Wein Biowein heißen darf, ist klar geregelt. Er muss aus Trauben hergestellt sein, die aus kontrolliert ökologischem Anbau sind. Das regelt die EU-Bioverordnung. Viele Bio-Weingüter sind Mitglieder in Verbänden, wie beispielsweise Ecovin, Bioland oder Demeter. Die Verbände haben visionäre Philosophien und außerdem Richtlinien die weit über die Minimalanforderungen des EU-Biosiegels hinaus reichen.

Das heißt: Ein Biowein darf nur Biowein heißen, wenn er mindestens nach den Regeln der EU-Bioverordnung hergestellt wurde und wenn das Weingut offiziell zertifiziert wurde.

Naturwein hingegen unterliegt keinen Verordnungen. Ein Naturwein ist ein Naturwein, wenn der Winzer den allgemeinen Regeln für die Naturweinherstellung gefolgt ist. Bisher darf jeder seinen Wein „Naturwein“ nennen. Die ungeschriebenen Regeln sind: Handlese, Vergärung mit den natürlich vorkommenden Hefen (=Spontangärung), keine Filtration. Der Einsatz von Sulfiten findet entweder nicht oder nur in äußerst geringem Maß statt.

Naturwein und Biowein sind also keine Synonyme. Ein Naturwein kann aber ein Biowein sein, ebenso wie andersherum.

Wo kann man Naturwein kaufen?

Naturweine gibt es natürlich direkt beim Winzer. Du weißt, dass ich großer Fan von deutschen Weinen bin und auch davon, direkt bei den Weingütern zu kaufen.

Aber… woher weißt du, dass ein Winzer Naturwein hat? Er wird es dir erzählen!

Dann gibt es glücklicherweise auch noch die wunderbare Welt des Internets. Surk-Ki Schrade hat beispielsweise den Naturweinladen La Vincaillerie in Köln. Sie richtet jedes Jahr den Wein Salon Natürel aus. Wir sehen uns dort im März in Köln!

Falls du gewohnt bist, zwischen sieben und zwölf Euro für eine Flasche Wein auszugeben, dann erschrick nicht: Naturwein hat seinen Preis und er ist gerechtfertigt. Dadurch, dass Naturwein nur begleitet und nicht „gemacht“ wird, ist es ein hohes Risiko für den Winzer, den Wein entstehen zu lassen. Die Nerven und unruhigen Nächste, die das kostet, sind meines Erachtens Teil des Preises.

Gönne dir eine Flasche und mach dich mit Freunden und Freuden auf die Reise in neue Wein-Geschmackswelten.

Naturwein ist übrigens der perfekte Wein für den Abenteuerlichen Typ. Falls du mehr über deinen Weingeschmack erfahren möchtest, dann ist das Wein-Geschmackstypen Weinpaket genau richtig für dich.

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Fazit: Naturwein und Biowein

Ein Naturwein kann ein Biowein sein, ist es aber nicht gezwungenermaßen. Voraussetzung dafür, dass Wein als Biowein deklariert werden darf ist, dass die Trauben aus kontrolliert ökologischem Anbau sind und die offiziellen Richtlinien für Bioweine eingehalten wurden. Viele Naturweine kommen aber aus ökologischen Weingüter, das dort sowieso vermehrt auf natürliche Prozesse gesetzt wird.

Der Begriff Naturwein ist nicht geschützt und es gibt keine vorgeschriebenen Regeln. Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sehr viele Dinge konsequent weggelassen werden. Es wird auf Handlese, schonende Traubenverarbeitung, Spontangärung, Sedimentation und den natürlichen Oxidationsschutz gesetzt. Nicht zuletzt haben sie einen absolut besonderen Geschmack.

Lass dich ein auf das Abenteuer – es lohnt sich!

 

Naturwein ist auf dem Weg in aller Munde. Auch in deinem?
Hast du schon mal von Naturwein gehört oder vielleicht sogar schon probiert?

 

Bilder: Eimer mit Trauben und Hand mit Glas/Ela Rüther

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