Stell dir vor: du hast Gäste zum Abendessen eingeladen. Alles ist vorbereitet, das Essen duftet und du hast schön gedeckt. Deine Gäste sehen erwartungsvoll zu dir hin und freuen sich auf den Wein den du passend zum Essen ausgewählt hast. Du nimmst die Flasche in die Hand und machst… *ckrrrck*… den Drehverschluss auf. Korken oder Drehverschluss, beziehungsweise Schraubverschluss ist hier die Frage. Was weißt du zu dem Thema?

Und noch wichtiger: Was passiert jetzt bei deinen Gästen?

Lieber Korken oder Drehverschluss auf der Weinflasche? Da scheiden sich die Weingeister

Möglichkeit 1: Betretenes Schweigen, da deinen Gästen schon jetzt klar ist, dass das kein guter Wein sein wird

Sie wissen insgeheim, dass ein einigermaßen qualitativ hochwertiger Wein einen Korken haben muss und denken „Wahrscheinlich ist es ein Wein gekauft nach Etikett… Ein Discounterwein für 2,99 € aus dem untersten Regal. Und wenn der Wein schon so ist – wie ist denn das Essen erst?“ Jeder trinkt einen Anstandsschluck und nach dem Essen gehen alle zu Bier über.

Möglichkeit 2: Verwunderte Gesichtsausdrücke, weil deine Gäste eher das *plopp* eines Korken erwartet hätten

Du lächelst und sagtst „Ja, nicht ganz so schick wie ein Korken, aber auf jeden Fall geschmacksneutral.“ Du schenkst ein und gibst die Flasche herum. Deine Gäste sehen, dass der moderne und hochwertige Drehverschluss schon längst den hässlichen und billigen MCA-Drehverschluss abgelöst hat, welchen man beispielsweise von Apfelsaftflaschen kennt. Nach kurzer angeregter Diskussion erfreut ihr euch am Wein und dem guten Essen.

Möglichkeit 3: Es passiert gar nichts, weil deine Gäste total an Alternative Verschlüsse gewöhnt sind

Du schenkst den Wein ein, kannst dir sicher sein dass alles was an Geschmack im Glas ist auch aus dem Wein kommt. Es gibt kein Ratespiel im Sinne von „Hmmm… dieser Wein schmeckt irgendwie muffelig. Denkst du der hat einen Weinfehler. Vielleicht einen Korkschmecker?“ Deine Gäste wissen, dass es Long-Cap- und Stelvin-Cap-Verschlüsse schon lange gibt und sie im Laufe der letzten Jahre immer stärker den Naturkorken ablösen. Vor allem als Verschluss für Weißweine und Roséweine. Ihr genießt den Wein und das leckere Essen und philosphiert über Gott und die Welt.

Lieber Korken oder Drehverschluss auf der Weinflasche? Da scheiden sich die Weingeister

Aber warum haben denn jetzt plötzlich alle was gegen den armen Korken?

Der ist doch immerhin ein Naturprodukt, 100% ökologisch abbaubar und nachwachsender Rohstoff und so weiter?

Korken werden aus der Rinde der Korkeiche hergestellt. Es gibt alle Qualitäten von Presskorken bis hochwertige Naturkorken. Die eher niedrigen bis mittleren Qualitäten werden in Verbindung mit Weinfehlern wie Korkgeschmack und Mufftönen im Wein gebracht. Das hat etwas mit der Verarbeitung zu tun. Beim Presskork werden Reststückchen gewaschen und mit Leim und Druck zum Korken geformt. Dann gibt es die mittleren Qualitäten die meist in Ordnung sind, aber trotzdem öfter mal einen Korkschmecker haben. Die hohen Korkqualitäten haben keine Holzeinschlüsse, sehr feine Poren und schließen die Flasche zuverlässig ab. Diese Korken kosten bis zu einem Euro pro Stück. Kein Wunder, dass man sich als Winzer da Gedanken über gute Alternativen macht.

Lieber Korken oder Drehverschluss auf der Weinflasche? Da scheiden sich die Weingeister

Wie schmeckt den überhaupt ein Korkschmecker?

Nicht jeder kann diesen Geschmack eindeutig erkennen, man empfindet ihn aber meist als unangenehm. Der Wein ist einfach nicht lecker. Die Konsequenz: „Kauf ich nicht mehr!“. Wenn du in den letzten Monaten zufällig eine IKEA Wasserkaraffe mit Korkverschluss gekauft hast, dann befülle sie mit Wasser und warte etwa 2 Stunden. Dadurch bekommst du einen 1a Korkgeschmack. Dieser Presskork hat nämlich so ungefähr die schlechteste Korkqualität aller Zeiten.

Findest du das Thema Korkschmecker spannend? Dann lies auch meinen Artikel zu den häufigsten und fatalerweise oft unterkannten Weinfehlern.

Statt Korken in Zukunft immer Drehverschluss?

Ich gebe zu, dass auch ich das Öffnen einer Weinflasche gerne zelebriere: Aufschneiden der Kapsel mit einem Sommeliermesser, Ansetzen des Korkenziehers und dann das Ploppen des Korken. Aber dann bitte nur eine Flasche mit einem absolut hochwertigem Naturkorken, der einen obermegaklasseleckeren Wein verschließt, damit das Risiko einen Korkschmeckers so gering wie möglich gehalten wird. Prinzipiell könnte ich allerdings auch darauf verzichten.

Lieber Korken oder Drehverschluss auf der Weinflasche? Da scheiden sich die Weingeister

Fazit zu Korken oder Drehverschluss

Drehverschlüsse sind eine echte Alternative. Sie garantieren Geschmackssicherheit und werden vorallem bei Weiß- und Roséweinen immer häufiger verwendet. Kein Grund also für betretene Gesichter beim hochklassigen Abendessen. Falls ein Wein mal komisch schmeckt ist es dann ziemlich sicher das Resultat der Weinherstellung.

 

Wie siehst du das? Gehört das *plopp* für dich absolut dazu oder ist dir der Verschluss egal?
Schreib mir jetzt in den Kommentaren – ich bin gespannt auf deine Meinung!

 

2 Kommentare

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  1. […] liegt, zu widmen. Du kramst den Flaschenöffner hervor, öffnest den Wein (er hat einen Korken, keinen Drehverschluss) und schenkst ihn ein. Noch duftet er verhalten – er muss sich wohl noch etwas entfalten. Ein […]

  2. […] wird unter Gegendruck abgefüllt. Im Anschluss wird er mit einem Kronenkorken, einem drucksicheren Drehverschluss oder einem Korken […]

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