Herbstzeit ist Federweißer Zeit! Ich persönlich LIEBE ja den Herbst, da geht das Winzerjahr zu Ende und beginnt das Herz des Weines zu schlagen. Neuer Wein entsteht und den kannst du nur im Herbst frisch genießen. Doch was ist „Neuer Wein“? Wie schmeckt er und wo kannst du ihn kaufen? Was schmeckt am besten dazu?

Federweisser Neuer Wein

Mein Artikel ist ein Rundum-Sorglos-Paket für dich, damit du unbeschwert in die Welt des Neuen Weins eintauchen kannst. Ich verrate dir die 13 Geheimnisse, die du über den prickelnden Neuen Wein wissen solltest. Lass uns gemeinsam das großartige Lebensgefühl des Herbsts erkunden.

 

Die „Sisters in wine“ sind Hanneke und Elske Schönhals. Sie lieben Wein und arbeiten damit – genau so individuell, wie sie selbst sind. Hanneke ist die Frau der Tat und kreiert lebendige Weine in ihrem Bioweingut in Rheinhessen. Elske ist die Entdeckerin und und nimmt Menschen auf ihrem Blog Genau mein Wein! mit auf die Reise zu ihrem persönlichen Weingeschmack. Jeden Monat veröffentlichen sie unabhängig voneinander einen Blogartikel zu einem gemeinsamen Thema.


Federweißer: was ist das und woraus besteht er?

Federweißer ist Traubenmost, der gerade mit der Gärung begonnen hat. Er ist dadurch bizzelig und süß, enthält aber auch schon Alkohol.

Der gärende Traubenmost hat viele Farben und Namen. Es gibt ihn in weiß, rosé und rot – abhängig davon, welche Trauben für den Traubenmost verwendet wurden. Je nach Region und Farbe wird er Federweißer, Bitzler, Sauser, Brauser, Roter Rauscher, Federroter oder Neuer Wein genannt.

Neuer Wein finde ich allerdings persönlich keine besonders gelungene Bezeichnung, denn Wein ist es ja im Grunde noch nicht.

Während der Recherche für meinen Artikel habe ich gelesen, dass Federweißer in Österreich Sturm heißt. Das ist SO schön und ich glaube, das ist meine neue Lieblingsbezeichnung! Ein Sturm im Glas ist nämlich genau das, was da passiert.

Bei der Gärung wird der Zucker aus den Trauben zu Alkohol und Kohlensäure umgesetzt. Am Anfang steht der Traubenmost und am Ende der Jungwein. Dazwischen blubbert es und rauscht. Anstatt ein Produkt zu sein, ist er ein Prozess.

Hier siehst du, wie es in der Flasche bizzelt:

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Die Federweißer Zeit: Ab wann gibt es Federweißer?

Federweißer gibt es traditionell immer bei der Traubenlese. Deshalb ist die Herbstzeit auch gleichzeitig die Federweißerzeit.

Winzer, die auf Federweißer spezialisiert sind, machen aus den besonders frühen Rebsorten schon den ersten Federweißer. Deshalb findest du oft schon Anfang August Federweißer in den Läden – manch einen aus Italien, wo schon sehr viel früher mit der Ernte begonnen wird als bei uns.

Je nach Jahrgang beginnt die Weinlese auch in Deutschland schon im August, wie beispielsweise die Weinlese 2018.

Manche Winzer verarbeiten auch die Trauben von neuen Rebsorten, die widerstandsfähig gegen Krankheiten sind, zu Federweißer. Diese haben auf dem Markt noch keinen bekannten Namen. Im Gegensatz zur Riesling, Weißburgunder oder Spätburgunder hörst du die Sorten Phoenix und Solaris wahrscheinlich heute zum ersten Mal.

Wie schmeckt Federweißer

Noch einmal zur Erinnerung: Federweißer ist im Prinzip ein Stadium in der Weinherstellung: der Weg vom Saft der Trauben, also dem Traubenmost, zum Wein. Die Weinhefen sind voll am Werk, den Traubenzucker und Fruchtzucker zu Alkohol zu vergären. Dabei entsteht zusätzlich Kohlensäure und andere Wein Inhaltsstoffe.

Unser Geschmacksempfinden beim Wein trinken besteht aus verschiedenen Bereichen: Schmecken, Riechen, Fühlen.

Aber zurück zum Federweißer!

Dies alles kannst du wahrnehmen:

  • Aromen von frischem Traubenmost: Das ist Frucht ohne Ende.
  • Die Fruchtsüße
  • Die Säure der Trauben
  • Manchmal schmeckt Federweißer etwas bitter, zum Beispiel wenn der Traubenmost zu trüb war.
  • Er schmeckt nach Hefe.
  • Außerdem fühlt sich durch die Hefen der Mund „voll“ an. Das wird in Fachkreisen „Mundgefühl“ genannt.
  • Das Bizzeln im Mund von der Gärungs-Kohlensäure.
  • Du kannst den Alkohol wahrnehmen, je nachdem wie lange er schon gegoren hat.
  • Und außerdem gehören zum Federweißer schon Weinaromen, die während in der Gärung entstehen.

Auf jeden Fall schmeckt er noch ganz anders als Wein.

Federweißer: 13 Geheimnisse über den prickelnden „neuen Wein“

Federweißer genießen

Am besten schmeckt mir der gärende Most, der etwa auf der Hälfte seiner Gärung ist, also circa 5 bis 6 Volumenprozent Alkohol hat. Zum Vergleich: Der meiste Wein hat in der Regel zwischen 10 und 13 Volumenprozent Alkohol. Außerdem mag ich Federweißer, der aus qualitativ hochwertigen Trauben hergestellt wurde. Das bedeutet, dass bei der Herstellung nicht nur auf MASSE gearbeitet wird und dadurch die KLASSE auf der Strecke bleibt.

Am liebsten mag ich ihn auch direkt vom Winzer. Notfalls nehme ich aber auch einen aus dem Supermarkt, denn: ein Herbst ohne Federweißer? Das geht nicht!

Er schmeckt am besten bei Zimmertemperatur oder nur sehr leicht gekühlt, also nicht direkt aus dem Kühlschrank. Falls du ihn im Kühlschrank hast, dann nimm ihn am besten eine gute Stunde vor dem Trinken raus. Dadurch wird der gärende Traubenmost wärmer, die Hefen werden wieder aktiver und… er bizzelt wieder.

Falls ich die Wahl habe ist mir wichtig, dass er aus biologischen Trauben hergestellt wurde, denn das bedeutet für mich einfach mehr Spaß im Glas.

Hier ist mein Youtube Video zum Thema Federweißer:

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Wie wird Federweißer gelagert?

Federweißer, der in Flaschen abgefüllt ist, darf nur stehend gelagert werden. Das liegt daran, dass im Deckel immer Löcher sind, damit die Kohlensäure, die durch die Gärung entsteht, entweichen kann. Wenn der Deckel die Flasche komplett abdichten würde, dann würde entweder der Korken rausfliegen oder im schlimmsten Fall die Flasche explodieren. Das heißt: im Stehen lagern sonst gibts Sauerei!

Die Lagertemperatur hängt davon ab, wann du den Federweißer trinken möchtest. Wenn er Kühlschrank-kalt ist, hört er auf zu gären. Beim Kühlen solltest du aber darauf achen, dass er nicht zu kalt wird, denn sonst quittieren die wertvollen Hefen den Dienst. Sie gehen dann an den „ewigen Stammtisch“, wie mein Wein-Mikrobiologie-Prof es gerne genannt hat.

Wenn der gärende Most warm steht, dann geht die Gärung vielleicht zu schnell. Da appelliere ich an deinen Entdeckergeist: Probiere einfach aus, was gut funktioniert! Am besten ist, wenn du direkt ein Schlückchen probierst und dann entscheidest.

Federweißer selber machen: Die drei besten Methoden

Hast du schon mal überlegt, Federweißer selber zu machen? Es gibt drei Methoden, wie du das am besten hinbekommst.

Drei Methoden wie du Federweißer selbst herstellen kannst

  1. Du kannst gekauften Traubensaft mit einem Schluck bereits gärendem Federweißer „impfen“. Dabei werden die Hefen vom Federweißer in den Traubensaft gebracht.
  2. Du kannst Weinhefe online bestellen oder notfalls auch Backhefe verwenden um Traubensaft damit zum Gären bringen. Allerdings schäumt es mit Backhefe dann ziemlich.
    Super ist das „My own organic“ Set vom Weingut Gustavshof.
    Sie weisen auf ihrer Seite auf Folgendes hin: „Nach dem deutschen Weinrecht ist es verboten aus Traubensaft Wein zu erzeugen. Dies ist nur aus Most erlaubt. Most darf aber in Deutschland nicht an Endverbraucher verkauft werden. Also können Sie aus dem Saft keinen „richtigen“ Wein herstellen, sondern nur Gustel. Der Gustel kommt aber dem echten Wein, den Sie im Laden oder beim Winzer kaufen können, sehr nahe.
  3. Du überredest den Winzer deines Vertrauens (Vorteil, wenn man deutsche Weine trinkt!), dir ein wenig frischen Traubenmost (unfiltriert) zu schenken und lässt ihn bei Raumtemperatur stehen. Er wird durch die natürlichen Hefen vergären. Falls du aber sowieso schon beim Winzer bist, dann lass dir doch auch ein paar Krümel Weinhefe geben. So bist du sicher vor dem häufigen Weinfehler „Pups“, der durch die spontane Vergärung mit den natürlichen Hefen entstehen kann.

Wann ist Federweißer fertig?

Wenn der Traubenmost anfängt zu blubbern, ist es Federweißer, wenn es nicht mehr blubbert Jungwein.

Optimal schmeckt Federweißer, wenn er nicht mehr zu süß ist und noch nicht zu viel Alkohol hat. Außerdem mag ich ihn – wie schon beschrieben – bei Zimmertemperatur, leicht gekühlt und bizzelnd.

Aber: DU bist die Heldin in deinem Film, auch beim Geschmack! Also entscheidest du, wenn er fertig ist. Magst du den Federweißer lieber süßlich-spritzig, dann kannst du ihn schon relativ bald trinken. Wenn du ich lieber etwas hefig-trockener, also mit weniger Zucker, magst, dann musst du dich etwas länger gedulden.

Kann Federweißer schlecht werden?

Ja und nein. Das „schlechteste“ was passieren kann, ist, dass er durchgegoren ist. Dann ist es nämlich Wein, beziehungsweise JUNGWEIN. Die Hefen werden zu Boden sinken und der Wein obendrüber wird klar werden. Du wirst noch wenig bis gar keine Süße mehr schmecken.

Beim Federweißer selber machen können bei der Vergärung unangenehme Aromen entstehen. Denn bei der Gärung gibt es einen Weinfehler, der BÖCKSER heißt. Das ist eine Schwefelverbindung die – ich darf ehrlich zu dir sein – nach Pups riecht. Andere würden vielleicht sagen, das es nach faulen Eiern riecht.

Du kannst den Federweißer trotzdem trinken, aber der Genuss ist vielleicht nicht ganz so riesig dabei.

Federweißer kaufen

Im Herbst gibt es gefühlt überall Federweißer zu kaufen. Bei diesen drei Quellen kannst du Neuen Wein kaufen:

  • beim Winzer, obwohl du nach einem spezialisieren suchen solltest, den die meisten können so mitten im Herbst keine Besucher gebrauchen
  • auf dem Wochenmarkt gibt es in den Weinregionen oft Federweißer im Angebot
  • bei Rewe, Edeka, Aldi, Alnatura, Denn‘s, basics und Co. kannst du auch Federweißer kaufen. Leider gären diese oft nicht mehr, da sie für den Transport stark gekühlt werden.

 

Federweißer: Wie viel Alkohol hat er?

Es gibt die Regel, dass Federweißer im Laden mindestens vier Prozent Volumen Alkohol haben muss. Je nach Lagertemperatur kann er aber sehr schnell einen wesentlich höheren Alkoholgehalt haben. Lass dich durch die angenehme Süße und das Bizzeln nicht täuschen!

In der Regel werden die Trauben zu einem Zeitpunkt geerntet, dass ihr Zuckergehalt etwa für 11 Volumenprozent Alkohol ausreicht. Das entspricht einem eher leichten Wein.

Federweißer: Blähungen und Bauchschmerzen

Manche Menschen bekommen durch den Genuss von Federweißer Blähungen und Bauchschmerzen, zuweilen sogar Durchfall. Woher kommt das?

Hefen und Kohlensäure können den Darm ziemlich in Aufruhr versetzen. Außerdem ist ja zusätzlich auch ziemlich viel Fruchtzucker enthalten. Dann solltest du dich auf ein Gläschen beschränken oder vielleicht doch keinen Zwiebelkuchen dazu essen.

Federweißer ohne Hefe ist übrigens kein Federweißer. Das wäre Wein, der in der Gärung gestoppt wurde.

Ich persönlich bekomme eher Kopfschmerzen von Federweißer. Mit mindestens 4 Prozent Alkohol hat er fast soviel Alkohol wie ein Bier, aber durch den mostigen, süßen Charakter kann man ihn einfach so lecker wegtrinken.

LEEEECKER!!!

Federweißer Neuer Wein 13 Geheimnisse die du kennen solltest

Was schmeckt zu Federweißer?

Zu Federweißer schmeckt natürlich: Zwiebelkuchen! Die Kombination ist unwiderstehlich, finde ich.

Aber ich finde, er passt auch zu allem anderen regionalen Gerichten, die im Herbst Saison haben. Also alles mit Kartoffeln, Lauch und Kürbis. Hier merkt man deutlich, dass saisonale und regionale Produkte perfekt zusammen passen.

Falls du ein leckeres Rezept für Federweißer und Zwiebelkuchen finden möchtest, dann schau mal bei ganzundgarsaisonal rein. Alex und Sarah haben sich extra in die Küche gestellt und ein Rezept – passend zu meinem Blogartikel – für dich kreiert. Mir läuft das Wasser schon im Mund zusammen! Hier kommst du zum Rezept: Zwiebelkuchen schnell und einfach mit Sauerkraut.

Federweißer Neuer Wein 13 Geheimnisse

Fazit Federweißer: Nicht verpassen im Herbst!

Unter Federweißer, Neuer Wein, Sauser, Bizzler oder Sturm versteht man den Zustand von Traubenmost auf dem Weg zum Wein. Dies ist ein Prozess und somit gibt es Federweißer nur einmal im Jahr – es sei denn du findest einen Weg, ihn selber zu machen.

Der einzigartige Geschmack von Federweißer liegt in seiner Kombination von Fruchtaromen, Säure und Süße, zusammen mit ein wenig Alkohol und dem prickeln der Kohlensäure, die durch die Gärung entsteht.

Wie du wahrscheinlich inzwischen weißt, liebe ich den Herbst. Das Winzerjahr geht zu Ende und es ist gleichzeitig die Geburtsstunde eines neuen Weinjahrgangs. Voller Genuss, Verheißung und Geheimnisse, die es zu entdecken gilt (Hier entlang für die 5 Schrittte, wie du einen unwiderstehlich leckeren Wein kaufen kannst!)

Und das ist das Schöne beim Wein: Die Abenteuer der Weinwelt sind unzählig und unglaublich vielfältig. Doch lass‘ dich davon nicht Abschrecken, denn beim Wein genießen stehst DU im Mittelpunkt, nicht der Wein. Deshalb:

 

Erweitere deinen Horizont. Werde WEIN-REVOLUZZERIN!

 

Schmeckt dir Federweißer? Hast du dich vielleicht schon mal am versucht ihn selber zu machen? Was schmeckt dir am besten dazu?
Erzähle mir davon in den Kommentaren oder schreibe mir eine E-Mail.

 

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Hier ist der Link zu Hannekes „Sisters in wine“ September-Artikel: Federweißer – und der Herbst beginnt
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Titelbild: Agnieszka Boeske/Unsplash

3 Kommentare
  1. Anneli
    Anneli sagte:

    … interessanter und aufschlussreicher Artikel,
    liebe Elske!
    Ein alter Winzer (Vater einer Freundin) vertrat vehement die Ansicht, im Federweißen sei viel „Dreck“, irgendwelche Rückstände, die er für gesundheitsschädlich hielt. Er schüttelte sich geradezu bei der Vorstellung, so was trinken zu sollen! Was meinst du dazu?
    (Übrigens „beuge“ ich den Federweißen, wie du siehst, das hat wohl mit meinem – möglicherweise verschärften – Sprachgenauigkeitsempfinden zu tun. Klingt für mich einfach richtiger).
    Liebe Grüße
    Anneli

    Antworten
    • Elske Schönhals
      Elske Schönhals sagte:

      Liebe Anneli,
      der alte Winzer ist wahrscheinlich kein Biowinzer! Die Gärung stellt in der Tat eine Art Reinigung des Weines dar. Wenn vorher Schwermetalle oder Spritzmittel-Rückstände im Most sind, dann sind sie nach der Gärung in der Regel nicht mehr nachweisbar. Ich denke, dass ist das Wissen, dass darunter liegt.
      Allerdings sind die konventionellen Spritzmittel inzwischen wesentlich besser abbaubar als früher. Den Schaden richten sie vor allem durch den Herstellungsprozess an, bei dem Unmengen von Sondermüll entsteht. Zusätzlich finde ich es auch eher unproblematisch, ein-zwei-drei Gläschen „Neuen Wein“ zu trinken – gerade im Hinblick, was man sonst so zu sich nimmt. Mehr geht sowieso nicht, da der Körper so viel aktive Hefen und Zucker in der Regel nicht besonders gut verträgt.
      Herzliche Grüße, Elske

      Antworten

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  1. […] gelangen dadurch ebenfalls in den gärenden Saft. Dieser wird übrigens Roter Rauscher oder Federweißer […]

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