Es ist Erdbeerzeit… hmmmm. Ich liebe Erdbeeren – vor allem selbst gepflückt und von der Hand direkt in den Mund. Diese herrliche Frucht hat nicht nur Aroma ohne Ende – mit ihrer Hilfe kannst du das Geheimnis deines persönlichen Weingeschmack-Erlebnisses entdecken.

Geschmack ist vielfältig und komplex. Im Prinzip entsteht er an drei Orten: im Mund, in der Nase und im Gehirn.

Weingeschmack entsteht an drei Stellen

Auf der Zunge zergehen lassen

Stell dir vor, du beißt in in eine frische, reife Erdbeere und lässt sie dir auf der Zunge zergehen. Dein Mund ist voller Erdbeere. Auf der Zunge werden deine Geschmacksrezeptoren angeregt. Dort schmeckst du süß, sauer, bitter und salzig.

Neben den Basis-Geschmacksrichtungen gibt es noch zwei weitere. Wir haben Rezeptoren für umami, was soviel wie fleischig und herzhaft, wohlschmeckend bedeutet. Vor kurzem wurden auch Rezeptoren für fettig entdeckt. Diese Geschmacksrichtung heißt oleogustus.

Zurück zu unserer Erdbeere: Auf der Zunge schmeckst du nun die saftige Süße und die Säure der Erdbeere. Dazu kommt noch das Mundgefühl – die fleischige Konsistenz. Herrlich… mir läuft schon beim Schreiben das Wasser im Mund zusammen.

Aber wie kommt es, dass wir viel mehr schmecken als das, was wir auf der Zunge wahrnehmen?

Von hinten durch die Brust ins Auge…

… oder besser: vom Mund, durch den Gaumen, in die Nase. Hilfe, Erdbeeren in der Nase?! Keine Sorge… es ist nur halb so schlimm.

Beim Kauen und vor allem auch beim Schlucken wird in unserem Mund Luft zusammengedrückt und in unseren Nasenraum gewirbelt. Dort fangen unsere Geruchsrezeptoren die Aromastoffe auf und leiten sie ans Gehirn weiter. Das nennt man im Fachjargon olfaktorische Wahrnehmung.

Unsere Erdbeere wieder: auf der Zunge nehmen wir nur süß, sauer, fleischig wahr. Erdbeergeschmack kommt aber durch fast 360 Aromastoffe zustande, die beim Genuss in den Riechzellen unserer Nase landen. Ist das nicht der Wahnsinn?

Im Mund und in der Nase werden die Reize aufgenommen und zum Gehirn weitergeleitet. Dort entsteht das Gesamtbild in dem alles zusammengefügt wird. Die Reize, die damit verbunden Erfahrungen und Emotionen.

Dein Geschmackserlebnis entsteht im Gehirn

Stell dir jetzt vor, dass du noch nie eine Erdbeere gegessen hast und deine Geschmackseindrücke beschreiben willst. Das ist unglaublich schwierig! Dir fällt „rote Früchte“ ein. Oder du würdest das fleischige Gefühl auf der Zunge mit den kleinen rauen Nüsschen beschreiben. Du würdest Anknüpfungspunkte in deinem Wissensnetz suchen. Wenn du keinerlei Anknüpfungspunkte hast, würde es länger dauern. Falls du schon mal einen Erdbeerjoghurt gegessen hättest, ginge es schneller.

So funktioniert unser Gehirn.

Nachdem du einige Male Erdbeeren gegessen hast, kannst du schon am Duft erkennen, ob irgendwo in der Küche Erdbeeren stehen. Du wirst Erdbeeren untereinander geschmacklich unterscheiden können. Stichwort „Oh, diese hier schmeckt mir nicht so gut wie die anderen“. Und zusätzlich beginnst du Erlebnisse damit zu verknüpfen. Zum Beispiel „Die von letzter Woche waren aber leckerer. Diese hier schmecken so wässerig“.

Erdbeeren sind ein Teil von dir und deinem Wissensnetz geworden.

Und nun zu deinem Weingeschmack

Kommt dir das so langsam bekannt vor? Du kannst dir sicherlich vorstellen, worauf ich hinaus will. Stell dir jetzt folgendes Szenario fürs Weintrinken vor.

Schmecken + Riechen + Assoziieren = dein Weingeschmack

Völlig entmystifiziert. Ganz ohne Fachsimpelei. Du achtest nur auf deine Geschmackseindrücke und die Assoziationen, die dir beim Probieren und Trinken in den Sinn kommen.

Du hast den Wein im Glas und nimmst einen Schluck. Welche Bereiche auf der Zunge werden angesprochen?
Mir ist aufgefallen, dass viele Menschen beim Probieren nur ein winziges Schlückchen Wein in den Mund nehmen und das dann in der Mitte der Zunge durch den Mund transportieren. Nimm einen größeren Schluck und erlaube dir, ihn auf der gesamten Zunge zu spüren. Dadurch werden nicht nur die Rezeptoren für süß und salzig angesprochen, sondern auch die Rezeptoren für sauer und bitter an den Zungenrändern – trau dich!

Dann nimmst du die unterschiedlichsten Aromen wahr. Woran erinnert dich das? Je wilder assoziiert, desto besser! Erinnert es dich an eine bestimmte Situation? Super!

Du findest Anknüpfungspunkte und machst dich mit dem Wein bekannt. Schmeckt er dir? Noch besser. Du bist deine eigene Expertin.

Fazit zu deinem Weingeschmacks-Geheimnis

Weingeschmack ist kein Mysterium. Wenn du dir vorstellst, wie du eine Erdbeere probierst und genießt, wird eindeutig wie einfach der Mechanismus des Geschmacks aufgebaut ist. Beim Wein probieren passiert nichts anderes als beim Essen einer Erdbeere (ok.. außer, dass du nicht wirklich kaust):

  • Du schmeckst mit den Geschmacksrezeptoren auf der Zunge: süß, sauer, bitter, salzig, umami (wohlschmeckend) und oleogustus (fettig).
  • Olfaktorisch: Durch das Bewegen im Mund – sei es beim Kauen oder Schlürfen – und dem Schlucken kommt Luft aus dem Mund in die Nase, wo du die Aromen aus dem Wein wahrnehmen kannst.
  • Im Gehirn wird der Wein zu einem Erlebnis. Du verknüpfst deine Wahrnehmungen mit deinem Wissensnetz und schaffst dir deine eigenen Assoziationen zu deinem Weingeschmack.

Keine Assoziation ist falsch oder richtig. Sie sind völlig gleichwertig. Du hast alle Fähigkeiten, zu beurteilen, wie ein Wein schmeckt und ob er dir schmeckt!

So, jetzt raus aus der Theorie und… ran an die Gläser! Und nicht vergessen: Vertraue deinem ganz persönlichen Weingeschmack und deiner Intuition!

Wenn du Lust auf Erdbeeraroma im Weinglas hast, dann probiere es doch mal mit einen Spätburgunder Rotwein.

 

Hattest du schon mal ein besonderes Weingeschmacks-Erlebnis?
Ich bin schon sehr gespannt darüber zu hören.
Schreibe mir jetzt in den Kommentaren!

 

Foto: goranmx/Pixabay

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